DIE MACHT DER GEDANKEN //

COUCHSTORIES //


Den leicht dahin gesagten Satz: „du musst halt positiv denken, dann wird`s schon!“, hört man mittlerweile fast täglich in allen Lebenslagen. Den so Beratenen lässt er in aller Regel genauso klug zurück, wie er vorher schon war. Was soll man damit anfangen? Sich die Dinge schön reden, die schlechten Gefühle verdrängen, einfach so tun, als wäre nichts? Und stimmt er denn überhaupt, verändert die positive Sicht auf die Dinge irgendetwas? Und wenn ja, wie soll ich das denn machen: positiv denken?


Unsere Gedanken, genauso wie unsere Gefühle, führen meistens ein ziemlich autonomes Eigenleben, sie sind plötzlich da, lassen sich durch irgendeine Sinneswahrnehmung triggern, wechseln von einer Minute auf die andere und entziehen sich oft sehr hartnäckig jeglicher Beeinflussung.

Wenn ich zu dir sage: „denke nicht an einen blauen Elefanten!“, wirst du vermutlich sofort einen blauen Elefanten vor deinem inneren Auge haben, dir überlegen, wann du zuletzt einen Elefanten gesehen hast, es wird dir einfallen und du wirst dir vorstellen, wie er in blau ausgesehen hätte.

Leichter gelingt die Beeinflussung, wenn ich sage: „stell dir eine sonnige Blumenwiese vor“.

Warum ist das so? Unser Unterbewusstsein kennt keine Verneinung, der Gedanke, den wir fassen, erscheint in unserer Vorstellung. Und natürlich fühlen wir uns wohler, wenn wir schönen Gedanken nachhängen. Gibt das also den „Positiv-Denkern“ recht? Ja und nein:

Ja: Es ist besser, eine positive Sicht auf das Leben zu haben!

Und nein: Die Krux ist nämlich, dass wir schlechte Gedanken und Gefühle nicht einfach tilgen können. Siehe „blauer Elefant“!


Über schlechte Gefühle haben wir schon gesprochen und erfahren, dass, wenn wir versuchen sie auszuhalten, ohne etwas zu tun, sie sich wieder verwandeln und uns sogar stärken können (Couchstory - WO TAG IST, IST AUCH NACHT). Das bedeutet, manchmal ist es richtig und wichtig einem Gefühl, den ihm angemessenen Raum zu geben, sich ihm zu überlassen, um die Verwandlung spüren zu können.

Trotzdem gemäß dem Rat, in schlechten Gefühlen aber auch nicht ausgiebig zu baden, müssen wir unseren Gefühlen nicht zu jeder Zeit unsere gesamte Aufmerksamkeit widmen.

Und genauso verhält es sich mit unseren Gedanken, manchmal haben wir einen wichtigen Gedanken, den wir aufgreifen und weiter verfolgen müssen, damit er uns zu einer wichtigen Erkenntnis führt! Aber nicht jeder Gedanke ist wichtig!

Für beides, Gefühle und Gedanken gilt: sie dürfen kommen, da sein und auch wieder gehen, ohne, dass wir jedem Gedanken oder Gefühl Raum geben oder Bedeutung verleihen.

Stell dir ein Radio mit einem Regler vor, alle Sender sind da, aber du kannst aussuchen, welchen du hören möchtest. Wenn du dich entschieden hast, verschwinden die anderen Sendungen nicht und du kannst auch jederzeit weiterdrehen, aber für den Moment hörst du diese Melodie.

Und nun kommen wir zum Kern der Sache: um das tun zu können, muss dir erst einmal auffallen, dass ständig eine Kakophonie auf dich einströmt, eine Vielzahl von „Sendungen“, respektive Gedanken oder Gefühle.


Um das zu bemerken, braucht es „AWARENESS“ Bewusstsein!


Wir müssen uns dessen bewusst werden, wie unsere Gedanken, unsere Gefühle funktionieren. Dass sie wankelmütige Gesellen sind und wir nicht jedem Glauben schenken müssen! Gedanken und Gefühle sind trügerisch, sie können sich jederzeit verändern und wenn wir kein übergeordnetes Bewusstsein, keinen inneren Plan haben und uns jedem Gedanken und Gefühl überlassen, den oder das wir gerade wahrnehmen, könnte aus unserem Leben ein ziemlich anstrengendes Chaos werden!

Es geht also wieder um Achtsamkeit, um Bewusstheit. Darum sich innerlich auf einen neutralen Beobachterposten zu begeben und von dort aus wahrzunehmen, was sich gerade in meinen Gedanken und Gefühlen tut. Nur beobachten, nicht bewerten oder beurteilen. Nicht entscheiden, das ist gut oder das ist schlecht, oder diesen Gedanken will ich haben, aber jenen nicht. Nur beobachten, wahrnehmen.

Vielleicht erscheint dir das ziemlich anstrengend? Aber glaube mir, sich in jeden Gedanken und jedes Gefühl hinein zu stürzen, ist viel anstrengender!

Uns geht es wieder um das berühmte „Hier und Jetzt“.


Gegenwärtig zu sein, im Bewusstsein dessen, was jetzt gerade ist.

Von dem Beobachterposten aus können wir sagen: „du Gedanke, du Gefühl darfst sein, ich kenne dich und ich verstehe dich vielleicht sogar. Ich darf dich denken und auch fühlen, du darfst da bleiben, aber ich kümmere mich jetzt nicht um dich! Ich drehe den Regler meiner Aufmerksamkeit weiter, entweder auf eine andere Melodie oder, falls du sehr hartnäckig dazwischen funkst, auf das was ich gerade in diesem Moment tue!“


Wenn wir den „Regler“ gerade nicht an einer anderen Stelle fixieren können, Gedanke oder Gefühl immer wieder auftauchen, hilft es, so wie man sich die Zen- Zeremonien vorstellt, sich mit allen Sinnen auf das zu konzentrieren, was man gerade tut. Und wenn man gerade nichts tun kann, genügt es, sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren, die Atmung wahrzunehmen, das Getragen -werden durch die eigenen Füße oder den Stuhl auf dem man gerade sitzt, die Temperatur oder den Stoff, die einen umgeben.

Es ist also wichtig zu erkennen, dass wir nicht sind, was wir denken oder fühlen, sondern dass es da ein übergeordnetes Bewusstsein gibt, dessen wir gewahr werden müssen.


Versuche und übe eine Weile dir beim Denken oder Fühlen zuzusehen, z.B. indem du sagst, `aha, das denke ich gerade, oder das fühle ich gerade`. Du kannst auch versuchen, danach den „Regler zu verdrehen“, d.h. einem anderen Gedanken deine Aufmerksamkeit zu schenken und zu beobachten, wie sich dadurch auch dein Gefühl verändert oder umgekehrt. Es geht also immer darum, innerlich einen Schritt zurück zu treten und nur zu beobachten was passiert.


Wie immer kommt man am Leichtesten in dieses Bewusstsein, indem man meditiert, sich in die Stille zurückzieht. Aber mit ein bisschen Übung gelingt es nach und nach auch im ganz normalen Alltag immer wieder.

Erst wenn wir das erfahren und verstanden haben, kommen wir in die Lage unsere Gedanken auch zu benützen, um etwas in unserem Leben verändern zu können.


Darüber wollen wir in der nächsten Folge sprechen! Bis dahin wünsche ich dir Zeit dir deiner bewusst zu werden.



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