ESSENTIELLE GRUNDQUALITÄTEN //

March 4, 2018

 

COUCHSTORIES //

with special thanks to photographer: Josef Beyer

 

 

Wie sind wir eigentlich wirklich?

 

Wie wir alle wissen, sind Menschen sehr unterschiedlich, nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrer Eigenart, ihren Wesenszügen, ihrem Charakter.

 

Trotzdem gibt es Eigenarten, bei denen wir davon ausgehen, dass sie jedem menschlichen Wesen zu eigen sind, das das Licht der Welt erblickt. Wir sprechen dann von essentiellen Grundqualitäten:

Liebe gehört dazu, genauso wie Freude, Kraft, Wert, Wille, Mitgefühl, Verbundenheit und Dankbarkeit, um die Wichtigsten zu nennen. All das sind keine Eigenschaften, die wir durch eine moralische Erziehung erwerben oder bewirken müssten, ganz im Gegenteil.

 

Wenn wir ein gut versorgtes Baby ansehen, wissen wir alle, was gemeint ist: Das kleine Wesen  i  s t  einfach, arglos, unmittelbar, ausgestattet mit den genannten Fähigkeit. Es kann sich freuen, es zeigt Willen, es schmiegt sich an die Bezugsperson und wenn alles gut läuft, bindet es sich an sie. Kein Baby würde auf die Idee kommen, dass es wenig Wert ist oder irgendetwas leisten muss, um angenommen zu werden.

Es ist also die Erziehung, die diese Eigenschaften eher behindert, verbiegt oder gar zerstört.

Wenn man die Erfahrung macht, dass man nur wertgeschätzt wird, wenn man brav, hübsch, fleissig, angepasst ist, entstehen Zweifel am eigenen natürlichen Wert. Wenn unsere Neugier, unser Wissens- und Tatendrang ständig eingeschränkt werden, verlieren wir spontane Freude. Und wenn unser (Selbst-)Wert stark beschädigt wurde, verlieren wir die Fähigkeit zum Mitgefühl oder gar zu lieben. Werden wir allein gelassen, fühlen wir uns irgendwann abgetrennt, verloren und wenn wir uns nicht erproben dürfen, zweifeln wir an unserer Kraft.

 

Unsere natürlichen Grundeigenschaften erfahren also Dellen, verlieren an Volumen und Gewicht. Statt dessen gibt es dort Narben, Löcher. Da diese Verletzungen sehr schmerzhaft sind, trachten wir als Kinder danach uns anzupassen, um den Schmerz nicht zu fühlen und später, wenn wir erwachsen sind, haben wir den dringenden Wunsch diese Defizite wett zu machen.

 

Leider haben wir keinerlei Bewusstsein mehr dafür, was für wundervolle Wesen wir eigentlich ursprünglich waren und wir haben keine Ahnung, woher der diffuse Schmerz rührt, dem wir immer einmal wieder in unserem Leben begegnen.

Wir wissen, dass es uns gut gehen kann, nämlich dann wenn gerade mal alles passt: wir uns in unseren Beziehungen wohlfühlen, wir alles haben was wir brauchen. Doch irgendwie ist dieses Wohlbefinden flüchtig und – bei den meisten abhängig von eben jenen Äußerlichkeiten.

Doch immer wieder sind da diese Dellen, Löcher, Abgründe! Und wir kommen auf die Idee, dass das anders wäre, wenn eben dies oder jenes in unserem Leben vorhanden wäre: Der perfekte Partner, der ideale Job, das schöne Ambiente usw. Wenn wir damit unsere Sehnsüchte stillen könnten, wäre alles gut. Wir sitzen dem Trugschluss auf, dass wir das was wir suchen im Außen finden könnten, wir bemühen uns immer mehr bestimmte Dinge in unserem Leben zu installieren, bis wir bestenfalls merken, dass das ein Faß ohne Boden ist.

Alles was wir tun, sind Ersatzhandlungen, dem eigentlichen Problem, warum wir uns so unvollständig fühlen, kommen wir nicht auf die Spur.

Unsere derzeitige Gesellschaft ist voll von Ersatzhandlungen, Ersatzbefriedigungen. Ob wir manisch unsere Person zu optimieren versuchen, durch zu viel Sport, Diäten, Designerkleidung, ob wir zu ehrgeizig unsere Karriere verfolgen oder zu viel konsumieren: Essen, Medien, Alkohol oder was auch immer. Immer steht dahinter der Wunsch ein Unbehagen, eine latente Unzufriedenheit zu überwinden.

Und – ihr ahnt es schon - , letztlich werden wir unser Wohlbefinden dadurch nicht dauerhaft verbessern.

Oder um es mit Wilhelm Busch zu sagen: “ Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge...“

Was also können wir tun?

 

Das Wichtigste ist, dass du dich wieder darauf besinnst, dass ursprünglich alles in dir da war, was du benötigt hast und daran glaubst, dass es tief in dir vergraben immer noch da ist, auch wenn du es gerade nicht fühlst.

 

Der Weg ist also nicht zu versuchen unsere vermeintlichen Defizite von außen zu füllen, sondern inne zu halten und uns diesem unangenehmen Gefühl zu stellen, sprichwörtlich in den Abgrund hinein zu sehen.

Also auszuhalten, dass du dich ab und zu, öfter, oder gar immer, unfähiger, erfolgloser, schwächer, wertloser oder freudloser fühlst, als du es bei anderen wahrzunehmen glaubst.

Und dich daran zu erinnern, dass diese Gefühle nicht zu deiner Grundausstattung gehören, sondern erworben sind durch Schlussfolgerungen, die du zu irgendeinem Zeitpunkt in deinem Leben aus Verhaltensweisen Anderer gezogen hast.

 

Das Aushalten dieser Gefühle ist sehr unangenehm, es tut weh, weil manchmal schlechte Erinnerungen auftauchen und wir tiefen Schmerz empfinden können. Erinnerungen an eine abwesende, überforderte oder lieblose Mutter, einen desinteressierten Vater oder ungerechte Lehrer können hochkommen, an eine Zurückweisung in der Liebe oder ein Versagen in einer Prüfung.

Doch all diese Dinge haben nichts mit deinem Wert und deinen grundsätzlichen Fähigkeiten zu tun und wenn du dir das klar machst, können sich die Löcher allmählich von innen heraus füllen, so wie eine Wunde von innen heraus zuheilt.

 

Alles was du dazu brauchst, ist etwas Mut und das Vertrauen in dein ursprüngliches Heilsein. Am Besten findest du beides in der Stille, in Ruhe und Innehalten, in der Natur.

Es gibt also nichts weiter zu tun:

 

                                   Du darfst einfach du sein, so wie du bist! 

 

 

 

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