DAS SYSTEM FAMILIE...UND WIE ES UNS BEEINFLUSST //

February 26, 2018

 

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Familienstellen - was ist das eigentlich?

 

Letzte Woche hatte ich selbst einmal wieder das Bedürfnis mir „geistige Nahrung“ zu verschaffen und habe mich einer Kollegengruppe angeschlossen, in der es um das Thema Familienstellen ging. Ein Thema, das mich schon viele Jahre lang begleitet, interessiert und in meine Arbeit einfließt.

 

Familienstellen scheint auf einmal in aller Munde zu sein, viele haben schon davon gehört, es vielleicht sogar schon einmal ausprobiert, selbst die ein oder andere Erfahrung damit gemacht. „Wie funktioniert das eigentlich, wie muß man sich das vorstellen?“ werde ich immer häufiger gefragt. Und selbst diejenigen, die eine eigene Erfahrung, an einer Gruppe teilgenommen haben, können sich nicht recht erklären, was da eigentlich vor sich geht.

 

Und so polarisiert das Thema sehr: Die einen schwören darauf und meinen jedes Problem damit lösen zu können, andere lehnen diese Technik als „esoterischen Humbug“ ab.
Wie sieht so etwas also aus?

Du hast ein Thema, ein Problem oder eine Frage, die sich nicht lösen lässt und begibst dich also in eine Aufstellungsgruppe, von der dir eine Freundin erzählt hat. Meistens kommen etwa 15 Personen zusammen, die dir fremd sind. Jeder schildert kurz sein Problem oder seine Frage und derjenige der an der Reihe ist, wählt aus den anwesenden Personen Stellvertreter für die in Konflikt geratenen Personen aus, also z.B. jemanden für dich selbst und deinen Partner, deine Kinder, oder Eltern.

 

Du setzt dich zu dem Aufstellungsleiter, nachdem du die ausgewählten Personen in die Mitte des Kreises platziert hast und beobachtest was sich entwickelt. Ohne, dass die Stellvertreter viel von dir wissen, begeben sie sich in Beziehung zueinander und erzählen, wie sie sich an diesem Platz fühlen. Dabei geht es um keine Spekulationen oder Interpretationen, der Stellvertreter spricht nur aus, was er in diesem Moment fühlt, also z. B.: „Ich fühl mich an dieser Stelle nicht recht wohl“, oder „ich habe irgendwie keine Verbindung zu den anderen hier“, oder „den Menschen dort finde ich interessant“,usw.

 

Du wirst zu deiner größten Überraschung Sätze hören, die du von den wirklichen Personen in deinem Leben kennst und du kannst plötzlich sozusagen „als Bild“ sehen, was in der Beziehung, die du aufgestellt hast, passiert.
Aber wie kann das sein? Wie kann ein wildfremder Mensch fühlen, was in meinem Leben passiert?

Stell dir einmal vor, du kommst in einen Raum, in dem ein paar Leute versammelt sind, Familie, Freunde, Kollegen oder auch Fremde.
Sobald du den Raum betreten hast, bekommst du ein Gefühl, noch bevor jemand etwas gesagt hat. Du erfasst intuitiv die Stimmung, die im Raum herrscht, und weißt, ob dort gerade jemand einen Witz gemacht hat, eine schlimme Nachricht verbreitet oder gar über dich gesprochen hat.

 

Und du reagierst auf dieses Gefühl in dir, noch bevor du in Kommunikation trittst.
Jetzt stell dir vor, ein Baby wird in eine Familie geboren, mit einem völlig offenen und unverbildeten Sensorium. Natürlich wird das Baby in kürzester Zeit fühlen, welche Stimmung in der Familie herrscht, ob es willkommen ist, ob die Angehörigen in Frieden leben, oder angespannt, unterschwellig aggressiv sind, oder eine Rolle nur spielen. Diese Stimmung nimmt das Baby auf und es wird von ihr geprägt. Es ist also etwas Atmosphärisches, was dort wirkt und alle Familienmitglieder umfasst.

 

Wie kann es aber nun sein, dass sich diese Atmosphäre jemandem mitteilt, der garnicht zu deinem System gehört?
Die für mich plausibelste Erklärung dafür hat Rupert Sheldrake geliefert. Rupert Sheldrake ist ein englischer Biologe, der sich mit dem Phänomen z.B. der Zugvögel oder auch einzelner Pflanzen befasst hat. Warum schließt eine Mimose alle Blätter, sobald eines berührt worden ist, woher weiss das hinterste Blatt, dass ein vorderes berührt wurde?
 Er postulierte ein sogenanntes „morphogenetisches Feld“, ein „wissendes Feld“, das alle umfasst, die dieses Feld betreten.
 Dieses „Feld“ baut also derjenige, der sein Thema aufstellt auf und die Personen, die als Stellvertreter dieses Feld betreten, kommen in Kontakt mit „dem Wissen“ in diesem Feld und bringen das schließlich zum Ausdruck, ohne wirkliche Informationen zu haben.
 Das ist es, was Familienstellen so spannend und faszinierend macht.

 

Noch vor wenigen Jahren stritt die Schulmedizin völlig ab, dass es solche Phänomene geben könnte. Mittlerweile eines Besseren belehrt und vor allem durch die Traumaforschung befördert, weiß man, dass sich die Traumatisierung z.B. des Großvaters noch auf den Enkel und je nach Wucht auf den Urenkel auswirken kann. In der Schulmedizin spricht man nun von Epigenetik, also etwas, was über die Gene weiter gegeben wird. Die wissenschaftliche Erklärung dafür ist, einfach ausgedrückt, dass der genetische Code ja immer wieder überschrieben, repariert wird, und dieser Reparaturmechanismus durch ein Trauma gestört wird, so dass fehlerhafte Codes entstehen.

 

Die Bibelfesten unter euch kennen „die Sünden der Väter bis ins vierte Glied“...

 

Was bedeutet das nun alles für dich, für uns?

 

Wenn du für dich erkennst, dass sich in deinem Leben bestimmte Muster wiederholen, du immer wieder an die falschen Partner gerätst, immer wieder Schwierigkeiten mit deinen Chefs hast, sich unerklärliche Gefühle oder Wendungen in deiner Familie einstellen, du dich dabei wieder findest, die Geschichte deiner Mutter, deines Vaters oder deiner Großmutter zu wiederholen, du dich immer benachteiligt oder als Opfer fühlst, - dann könnte es Sinn machen, mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen und einen systemischen Blick auf dein Problem zu werfen.

 

Am Besten mit Hilfe eines erfahrenen Aufstellungsleiters, für den genügt nämlich nicht nur zu fühlen, der braucht ein fundiertes Wissen und eine umfassende Ausbildung! Also trau dich ruhig, dich danach zu erkundigen.

 

Das Schöne an diesem erweiterten Blick ist, dass du vieles in deinem Leben plötzlich aus anderen Augen sehen und damit besser verstehen kannst.
Darüber hinaus möchte ich dich ermutigen, mehr auf deine Intuition hören, mal zu erspüren, was du im Kontakt mit jemandem wahrnimmst, was nicht gesagt wird. Und auch zu spüren, wie ein bestimmter Ort, Raum auf dich wirkt. Diese Wahrnehmung kann man trainieren und dafür nutzen das eigene Wohlbefinden zu fördern und sein Sensorium zu verfeinern.

 

Viel Spaß dabei!

 

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