• Hildegard

DER WEG ZUR HÖLLE IST MIT GUTEN VORSÄTZEN GEPFLASTERT //


COUCHSTORIES //

Wie bist Du hinein gerutscht ins Neue Jahr? Ich meine nicht den Silvesterabend, sondern dein Gefühl als sich in deinem Kalender 365 neue Tage jungfräulich vor dir ausgebreitet haben. Sozusagen bei deiner Vorschau auf das neue Jahr. Was hast Du dir grob vorgenommen für die nahe Zukunft? Mehr oder weniger zu arbeiten, dir einen Partner zu suchen oder die bestehende Partnerschaft zu beleben? Weniger mit den Kindern zu schimpfen? Besser aufzuräumen? Endlich die Urlaubsplanung früher anzugehen, mehr Freunde zu treffen, nun doch deine Sprachkenntnisse zu verbessern, den Malkurs zu belegen? Endlich einmal rechtzeitig die Steuer zu erledigen....

Und wie sieht es aus im Detail: Schon angemeldet im Fitnessstudio? Oder dir vorgenommen nun wirklich 2 x die Woche hinzugehen? Den Vorsatz verwirklicht, endlich ein paar Kilo abzunehmen oder dich gesünder zu ernähren? Zeitnah den Keller auszumisten?

Die Listen ließen sich sicher seitenlang fortführen! Besonders der Neujahrstag eignet sich ja bekanntlich für das Fassen guter Vorsätze für das neue Jahr. Nun ist das Jahr schon 14 Tage alt, erinnerst Du dich noch an deine Vorhaben? Hast Du damit begonnen, das ein oder andere umzusetzen? Nein? Dann unterscheidest Du dich nicht von den Meisten deiner Mitmenschen.

Warum ist es so schwer, die guten Vorsätze auch auszuführen? Warum scheitern die Meisten von uns immer wieder nach kürzester Zeit?

Warum werden gute Vorsätze oft so schnell zur Last, die obwohl so gut gemeint, das Leben plötzlich verkomplizieren, anstatt es zu bereichern?

Wieder geht es um die Vielzahl der Möglichkeiten (Link zum Artikel „Die Last mit den unbegrenzten Möglichkeiten“), um die Auswahl von zig Optionen, die wir zu haben glauben, um das was der Zeitgeist und wir von uns zu erwarten scheinen. Oder die Anderen offen fordern oder subtil signalisieren. Das Wesen, das uns ursprünglich inne wohnt, scheint einfach nicht gut genug zu sein, um mit Glück, Erfolg und Freude gesegnet zu werden.

Wir entwerfen also ein „Wunschselbst“, anstatt uns mit unseren ureigensten Gegebenheiten anzufreunden. Und – haben die beste Absicht das auch zu erreichen! Zumindest am Neujahrstag, wenn wir Bilanz ziehen, Wunsch und Wirklichkeit vergleichen und zu dem Schluss kommen, dass die Lücke, die dazwischen klafft zu groß ist.

Durch die Art und Weise, wie wir allerdings mit unseren Absichten umgehen, ebnen wir uns nicht den Weg dorthin, sondern bauen Hürden auf, die uns schließlich unüberwindlich erscheinen. Zuviel Perfektionismus und Selbstoptimierung sind im Spiel, die sofort unseren inneren Saboteur auf den Plan rufen, der trotzig ruft, „jetzt gerade nicht“!

Da gibt es feste Vorstellungen, wie ein Vorsatz aus- und durchzuführen sei: erst der Diätplan, das Fitnessstudio usw. machen das Vorhaben wertvoll. Einfach den Teller etwas weniger zu füllen, jede Treppe zu benutzen anstatt den Aufzug, sind zu banal, um als Vorsatz, um als wirkliche Veränderung durchzugehen.

So wird der Vorsatz ein weiterer Punkt auf der ohnehin schon viel zu langen „to-do-Liste“. Die to-do-Liste mag sich wunderbar eignen, um eine Struktur und Überblick in unsere wirklichen Pflichten zu bekommen. Wissenschaftler haben jüngst heraus gefunden, dass sie, abends z.B. für den nächsten Tag erstellt, das Einschlafen erleichtert, da sie hilft für den Moment den Kopf frei zu kriegen. Für Vorsätze ist sie ungeeignet.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt darin, die eigenen Möglichkeiten zu (er-)kennen, die eigene Persönlichkeit in den Plan einzukalkulieren. Zwangloser und spielerischer mit unseren Vorhaben umzugehen, kleine, leicht durchzuführende Veränderungen vorzunehmen, die Treppe eben oder das bewährte „Iss-die-Hälfte“.

Voraussetzung ist aber nicht nur, sich gut zu kennen, sondern vor allem, sich erst einmal vorbehaltlos genau so zu akzeptieren wie man eben gerade ist, ohne Bewertung oder gar Verurteilung.

Bei allen Diskussionen um positive Veränderungen kristallisiert sich immer wieder heraus, dass sie am leichtesten stattfinden, wenn derjenige, der sie erreichen möchte, sich wohl fühlt bei der Umsetzung, gar Freude daran findet, trotz gelegentlicher Überwindung und Bemühung. Zähneknirschend erzwungenes Vorgehen ist dabei wenig zielführend.

Freude können wir nur finden, wenn wir im Einklang mit unserer echten Persönlichkeit sind, Wesen, Körperform, Neigung, Rhythmus und Vorlieben einkalkulieren in unseren Plan. Und uns nicht zu zeitgeistgemäßen stromlinienförmigen Figuren entwickeln, die alle ähnlich aussehen, ähnlich angezogen sind, in austauschbaren Umgebungen leben und die gleichen Ansichten haben. Wie arm und langweilig würde das unsere Welt machen!

Wer ist also der Mensch, den Du da vor dir hast? Welche Gaben und Talente hast Du, welche Schwächen? Was bist Du für ein Naturell, was charakterisiert dich? Steh zu Deiner Persönlichkeit! Geh liebevoll mit dir um, so wie Du es mit einem geliebten Wesen tun würden!

Selbstfürsorglich mit sich umzugehen bedeutet, dass Du zwar eine gewisse Verpflichtung oder auch Moral dir selbst gegenüber hast, deinem Körper und deiner Seele die Grundlagen zur Verfügung zu stellen, die Du brauchst, um gesund bleiben zu können, dass aber über diese doch sehr weit und variabel gesteckten Grenzen hinaus, sich die Vielfalt deiner Persönlichkeit zeigen muss und darf!

Die Kunst dabei ist, wieder zu lernen, auf unsere Empfindungen und inneren Signale zu achten, wieder zu spüren, wann es genug ist mit Arbeit, Stress, aber auch mit Genuss oder Müßiggang. Und diese innere Stimme gut zu unterscheiden von sämtlichen verinnerlichten „Müsste“ und „Sollte“, den Stimmen all derer, die uns sagen wollen, wie wir sind.

Unser gesamtes Leben ist Rhythmus. Fertige also neben deiner „to-do-Liste“ eine „let-it-be-Liste“ an und mache sie mindestens genauso lang. Und beginne dazwischen hin und her zu schwingen. Genieß das „Sein-lassen“, damit kannst Du deine Akkus auftanken und findest wieder leichter und zufriedener zum Tun.

Und nicht zu vergessen: Beginne Dankbarkeit zu empfinden, für das was ist! Und zwar so bewusst, dass Du abends deine to-do-Liste mit zwei bis drei Punkten abschließt, für die Du an diesem Tag dankbar warst!

Du wirst nach ein paar Wochen merken, dass sich etwas verändert hat in deinem Leben: Du wirst dich nämlich erheblich zufriedener fühlen, auch wenn Du immer noch an denselben Punkten knabberst!

In diesem Sinne: die besten Wünsche für das neue Jahr.

#mindfood #soulfood #vorsaetze #couchstory #neujahr #Psychologie

44 views
  • Black Facebook Icon
  • Black Instagram Icon
  • Black Pinterest Icon