• Hildegard

WAS WILL ICH VOM LEBEN & WAS WILL DAS LEBEN VON MIR?! //


COUCHSTORIES //

(photographer @ArtonSefa)

Wir haben das große Glück in einem Land, einer Kultur und einer Zeit zu leben, die es uns ermöglichen, uns eine wichtige Frage zu stellen:

Was will ich vom Leben?

Das erste Mal tauchen diese Gedanken meistens in der späten Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter auf, zu einem Zeitpunkt, wo man häufig gefragt wird: „Was willst du denn einmal machen?“, und – keine Ahnung hat. Es gibt nur wenige Glückspilze, die von klein auf wissen, wo ihre Begabung liegt, ihr Interesse sie hinzieht. Für die meisten Anderen gibt es nur unklare Vorstellungen, vielleicht vage Wünsche, die oft nicht viel mit der Realität zu tun haben. So tun viele, was von ihnen erwartet wird, das was sich gerade ergibt, oder das, was eben alle tun.

Doch angetrieben vom Zeitgeist der Perfektion oder Selbstoptimierung, stellt sich früher oder später nun im eigenen Kopf immer dringender die Frage:

„Was will ICH eigentlich vom Leben?“

Herauszufinden, was man wirklich will, gestaltet sich jedoch als schwieriges Unterfangen. Die größte Hürde ist, dass sich Vieles theoretisch wunderbar ausmalen lässt, sich dann aber praktisch garnicht so gut anfühlt. So werden Lehrstellen, Studiengänge, Berufe und schließlich auch Partner gewechselt, immer auf der Suche nach dem ultimativ glücklichen Lebensgefühl.

Jahre später, um vielfältige Erfahrungen reicher und immer noch auf der Suche, fragt man sich erschöpft noch einmal:

„Was, um Himmels Willen, ist das Richtige für mich, wie kann ich meine Begabung, meine Eignung aufspüren, wie das finden, was mich glücklich macht?“

Zu diesem Zeitpunkt hat man im Allgemeinen schon viele Türen durchschritten, etliche haben sich vor oder hinter einem geschlossen. Man hat verstanden, dass man so oder so Verpflichtungen hat, seinen Lebensunterhalt verdienen muss, eine Familie hat, die doch mehr Aufmerksamkeit erfordert, als man dachte, auf seine Gesundheit achten muss, Bindungen eingegangen ist, die Kompromisse erfordern. Die innere Spannung zwischen der Selbstverwirklichung, dem Glück, das sich irgendwo zu verstecken scheint und den alltäglichen Notwendigkeiten wird immer größer.

Besonders wenn man die Verantwortung für Kinder übernommen hat, wird einem klar, dass der Tag nicht genug Stunden hat, um ihnen gerecht zu werden und sich gleichzeitig um die eigenen Wünsche zu kümmern.

Will man in diesen Konflikten nicht zerrissen werden, und unglücklich sein, ist es spätestens jetzt an der Zeit, die Frage umzudrehen:

Was will das Leben denn von mir?

Es lohnt sich diesem Perspektivenwechsel Raum zu geben, ihm einmal nachzugehen. Sobald die erste trotzige Gefühlsaufwallung ob dieser Zumutung überstanden ist und man in Ruhe dieser Frage nachspürt, breiten sich neue Horizonte vor einem aus. Man kann über Prioritäten im eigenen Leben nachdenken, wenn man aufhört, die „Eier-legende-Wollmilchsau“ aus sich machen zu wollen. Ist es mir wichtig meinen kleinen Kindern die nötige Geborgenheit zu geben oder hab ich eine herausragende Begabung, die ich derzeit leben muss? Bin ich bereit zu Gunsten einer steilen Karriere die Kontakte zu Familie und Freunden auf ein Minimum zu reduzieren? Nehme ich hin meine Beziehung und vielleicht meine Gesundheit für eine 60- Std. Arbeitswoche aufs Spiel zu setzen? Kann ich auf Konsum und materielle Attribute verzichten, um meine künstlerische Neigung auszuleben oder bei einem Hilfsprojekt im Kongo mitzuwirken?

Sobald einem einmal die Beschränktheit der eigenen Kraft und die Endlichkeit sowohl jeder Lebensphase, als auch die eigene, einmal wirklich bewusst geworden sind, geht es darum herauszufinden, was einem jetzt, zu diesem Zeitpunkt im Leben, an den eigenen Gegebenheiten wichtig ist, ob man sie sich so ursprünglich ausgesucht hat, oder nicht. Die Frage nach dem eigenen Wollen wird flach, wenn man die Dimensionen des eigenen Gewissens und der eigenen Werte mit berücksichtigt. Und man kann plötzlich merken, dass man vielleicht schon eine ganze Weile den eigenen Werten gemäß lebt und vielleicht sogar zufrieden wäre, das zu tun, wenn man sich nicht dauernd fragen würde, ob man genau das will, was man hat....

Wer immer Angst hat etwas zu versäumen, weil das Leben vermeintlich gerade anderswo ohne ihn stattfindet, wird irgendwann später feststellen, dass das Versäumnis genau darin lag, gegenwärtig zu sein in dem was gerade war, das Hier und Jetzt wahrzunehmen, zu leben und wenn möglich zu genießen.

Wie so oft im Leben geht es um das richtige Maß, zwischen dem Ruf des Lebens und dem Verwirklichen eigener Vorstellungen.

Gegenwärtig, präsent zu sein im eigenen Leben bedeutet, sich dem ganzzu widmen, was gerade zu tun oder lassen ansteht. Es ist das Gegenteil von „multitasking“ und schenkt, wenn man es einmal wirklich erlebt und genossen hat, große Ruhe und Gelassenheit. Es verkörpert den Geist der Zen- Meditation, nämlich mit allen Sinnen bei dem zu sein, was man macht.

Je älter man wird, um so klarer wird einem, was John Lennon zu treffend formuliert hat:

„Leben ist das was passiert, während man Pläne macht!“

Wir können die Segel setzen auf unserem Lebensschiff und die Richtung anpeilen, müssen aber je nach Wind und Strömung, Umwege fahren, Flauten und Stürme überstehen, überrascht fremde Küsten ansteuern, oder gar zu völlig neuen Ufern aufbrechen...

Deshalb möchte ich mit einem weiteren Zitat von Joseph Campbell schließen:

„Wir müssen bereit sein,

uns von dem Leben zu lösen,

das wir geplant haben,

damit wir das Leben finden,

das auf uns wartet.“

#Psychologie #Couchstories #Leben #mindfood #soulfood

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